Wenn du deine Lebensphilosophie in einem Satz zusammenfassen müsstest – wie würde der lauten?
Wenn ich meine Lebensphilosophie in einen Satz packen müsste, wäre es wahrscheinlich immer noch:
Never give up.
Was ein bisschen absurd ist, wenn ich mir dieses Jahr anschaue.
Es gab genügend Momente, in denen ich hätte sagen können: Gut. Reicht. Offenbar ist das hier alles eine ziemlich mittelmäßige Idee.
Türen sind nicht aufgegangen. Menschen haben mich nicht verstanden. Dinge, von denen ich dachte, sie wären mein Weg, waren es plötzlich nicht mehr. Ich habe angefangen, mich selbst noch einmal komplett neu zu lesen – mein Gehirn, meine Grenzen, meine Arbeit, meine Beziehungen, teilweise meine ganze Geschichte.
Und vielleicht habe ich gerade deshalb in diesem Jahr etwas über „Never give up“ verstanden, das ich vorher nicht verstanden habe.
Aufgeben und loslassen sind nicht dasselbe.
Und weitermachen bedeutet nicht zwingend, mehr Kraft aufzuwenden.
Manchmal bedeutet es einfach, noch einmal anders hinzuschauen.
Ich merke inzwischen, wie unglaublich viel Energie an Wahrnehmung hängt.
Wenn ich denke, jemand greift mich an, geht meine Energie in Verteidigung.
Wenn ich denke, ich müsste etwas können, was mir offensichtlich seit Jahren unverhältnismäßig viel Kraft kostet, geht meine Energie in Anpassung.
Wenn ich eine geschlossene Tür als Beweis dafür nehme, dass ich gescheitert bin, kämpfe ich gegen die Tür.
Und wenn ich irgendwann erkenne: Vielleicht ist das gar nicht meine Tür, wird plötzlich wieder Energie frei.
Die Situation muss sich dafür nicht einmal verändert haben.
Nur mein Blick darauf.
Das ist wahrscheinlich eine der größten Erkenntnisse dieses Jahres für mich.
Wahrnehmung ist nicht nur die Frage, wie wir die Welt erleben.
Sie entscheidet mit darüber, wofür wir unsere Kraft verwenden.
Ich kann jahrelang versuchen, gegen mich selbst anzukommen.
Oder irgendwann neugierig werden und fragen: Was passiert hier eigentlich wirklich?
Ich kann eine alte Geschichte in jedes neue Gespräch mitnehmen.
Oder bemerken, dass der Mensch vor mir vielleicht gar nicht die Person ist, gegen die ich mich seit Jahren verteidige.
Ich kann an einer Idee festhalten, weil Aufgeben für mich Niederlage bedeutet.
Oder ich kann sie loslassen und trotzdem nicht aufgeben, nach dem zu suchen, was wirklich zu mir gehört.
Vielleicht bedeutet „Never give up“ für mich heute deshalb nicht mehr: immer weiter.
Manchmal ist es stehen bleiben.
Manchmal Nein sagen.
Manchmal die Richtung wechseln.
Manchmal eine Tür endgültig schließen.
Und manchmal ist es dieses kleine innere Gefühl, das trotz allem noch sagt:
Schau noch einmal hin.
Da ist vielleicht noch etwas, das du bisher nicht gesehen hast.
Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum ich immer noch nicht besonders gut im Aufgeben bin.

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