
Welche Entscheidung triffst du?
Heute ist der 1. September 2026. Der erste offizielle Tag meiner Selbstständigkeit.
Eigentlich ein Tag, auf den ich lange hingearbeitet und auf den ich gewartet habe. Einer, an dem ich erleichtert sein könnte, stolz vielleicht, aufgeregt natürlich auch. Ich habe etwas bis hierher gebracht, das lange nur eine Idee, ein Plan und zwischendurch vermutlich auch eine ziemlich gute Möglichkeit war, den eigenen Papierverbrauch drastisch zu erhöhen.
Heute ist es offiziell.
Und gleichzeitig haben mich aus meinem privaten Umfeld Dinge erreicht, die nichts mit diesem schönen Anfang zu tun haben. Keine neuen Katastrophen, eher alte Geschichten, die plötzlich wieder mehr Präsenz bekommen haben. Dinge, die mich schockiert zurückgelassen haben und die man nicht einfach neben den Kaffee stellt und dann beschließt, sich jetzt wieder auf den schönen Teil des Tages zu konzentrieren.
Plötzlich war da beides.
Dieser Anfang, über den ich mich freuen möchte, und gleichzeitig das Wissen um Dinge, die so schwer sind, dass sich die eigene Freude daneben beinahe unangemessen anfühlt.
Und wenn man in solchen Momenten den Blick noch etwas weiter macht, wird es selten besser. Man muss sich schließlich nur kurz in der Welt umsehen (Deutschland reicht auch). Es gibt genügend Leid, Gewalt, Ungerechtigkeit, Verlust und menschliches Verhalten, bei dem man sich fragt, wie wir als Gesellschaft eigentlich so weit gekommen sind.
An manchen Tagen kann man all das wissen und trotzdem weiterleben. Und an anderen wird es dunkel.
Heute merke ich sehr deutlich, wie schnell das auch bei mir passieren kann. Eine Nachricht zieht die nächste mit sich, der Blick verändert sich und plötzlich scheint alles um einen herum nur noch zu bestätigen, dass die Welt ein furchtbarer Ort ist. Das Gute ist dabei nicht verschwunden. Aber es fühlt sich vielleicht kurz leichter an, den Zugang dazu zu verlieren.
Und mit diesem Verlust passiert noch etwas anderes: Ich werde nicht hilfreicher, wacher oder handlungsfähiger. Ich werde schwer. Mein Denken wird enger, mein Körper angespannter und aus Mitgefühl wird irgendwann Ohnmacht.
Genau an dieser Stelle wird mein Interesse geweckt.
Ich nehme wahr, dass es die Möglichkeit gibt, das Schlimme zu relativieren. Aber das muss garnicht sein. Manche Dinge sind schlimm. Punkt. Es gibt Erfahrungen, für die wir keine hübsche Perspektive finden müssen, und ich halte wenig davon, Schmerz sofort mit Dankbarkeit, Affirmationen oder irgendeinem höheren Sinn zuzudecken, nur damit er sich schneller wieder angenehm anfühlt.
Darum geht es mir nicht.
Es geht darum, zu bemerken, wann die Dunkelheit, von der ich erfahren habe, beginnt, auch mein eigenes inneres Licht zu verdunkeln. Denn genau bei dieser Betrachtung fällt mir etwas auf, dass ich vorher vielleicht nicht so deutlich aufgefallen ist.
Ich kann nicht ändern, was geschehen ist. Ich kann nicht jedes Leid dieser Welt verhindern und schon gar nicht alles gleichzeitig tragen. Aber ich kann einen Moment lang wieder wahrnehmen, wo ich selbst gerade bin. Ich kann meinem Körper sagen: Hier, in diesem Moment, bin ich sicher. Ich kann meine Füße auf dem Boden spüren, meinen Atem spüren, die Menschen um mich herum wahrnehmen und mich daran erinnern, dass neben allem Schrecklichen auch etwas anderes existiert.
Das Gute muss das Schlechte nicht ausgleichen, um ebenfalls wahr zu sein.
Und vielleicht kommt danach noch eine zweite Frage.
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