Warum erschüttert mich ausgerechnet das so sehr?

Manche Dinge berühren uns, weil sie etwas treffen, das uns zutiefst wichtig ist. Gerechtigkeit. Schutz. Freiheit. Würde. Natur. Kinder. Tiere. Menschen, die, die keine Stimme haben. Was auch immer es für den Einzelnen ist.

Vielleicht müssen wir eine solche Erschütterung deshalb nicht nur möglichst schnell wieder loswerden. Vielleicht können wir sie irgendwann auch lesen.

Nicht jede schlimme Erfahrung enthält eine geheime Botschaft des Universums, die wir nur entschlüsseln müssen. Das wäre mir zu einfach. Aber unsere Reaktion auf das, was wir sehen und erleben, kann uns etwas darüber erzählen, wofür wir stehen.

Vielleicht liegt darin manchmal ein Wegweiser.

Hier kannst du nicht einfach wegsehen.

Hier wirst du wütend.

Hier möchtest du schützen.

Hier möchtest du etwas verändern.

Und daraus kann etwas entstehen.

Bei einem Menschen bedeutet das vielleicht, sich einmal im Monat ehrenamtlich irgendwo einzubringen. Ein anderer verändert innerhalb seines Berufs etwas. Jemand gründet irgendwann eine Organisation, und der Nächste bemerkt einfach, dass der ältere Nachbar seit Tagen niemanden gesehen hat, und klingelt an seiner Tür.

Es geht nicht um die Größe.

Es geht darum, aus Ohnmacht wieder Beziehung zur eigenen Wirksamkeit herzustellen.

Vielleicht ist genau das eine Möglichkeit, mit der Dunkelheit dieser Welt zu leben, ohne ihr alles zu überlassen: Sie wahrzunehmen, sich von ihr berühren zu lassen und dann zu entscheiden, was sie in uns hervorbringen darf.

Mehr Angst?

Mehr Rückzug?

Oder vielleicht an manchen Stellen auch mehr Klarheit darüber, wer wir sein wollen.

Das Licht, von dem ich spreche, ist deshalb nichts Naives. Es besteht nicht darin, ausschließlich schöne Dinge anzuschauen.

Manchmal bedeutet Licht gerade, sehr genau hinzusehen.

Eine Grenze zu ziehen.

Für jemanden einzustehen.

Etwas aufzubauen.

Zu schützen.

Zu sprechen, wo Schweigen bequemer wäre.

Und manchmal bedeutet es einfach, freundlich zu einem Menschen zu sein, der gerade vor uns steht.

Heute darf deshalb beides da sein. Die Erschütterung über das, was ich erfahren habe, und die Freude über einen neuen Anfang. Das eine macht das andere nicht unwahr.

Vielleicht besteht unsere Aufgabe nicht darin, darauf zu warten, dass die Welt irgendwann hell genug ist.

Vielleicht besteht sie darin, herauszufinden, welches Licht wir selbst in ihr tragen – und wofür wir bereit sind, es anzumachen.

Deine Isabel

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